Wakass’s erster Einsatz

Letzthin konnte ich Wakass zum ersten Mal bei einem „schwierigen Fall“ einsetzen. Ich benutze dieses Wort eigentlich gar nicht gerne. Dieser Hund, Leon, hat wirklich Schreckliches erleben müssen und ich kann seine panische Angst vor Artgenossen nur zu gut nachvollziehen. Seine Besitzerin Clarissa ist mit mir in der gleichen Ausbildung in Maienfeld. Wir sind also schon zwei, die etwas von ihren Hunden lernen wollen und können.

Das Problem: Leon zeigt so genannte Verhaltensauffälligkeiten. Wenn Leon einen anderen Hund sieht, reagiert er panisch und hat nur noch seine Vertreibungsattacken im Kopf. Beim Bellen zieht Leon Luft ein (dann wirkt er noch etwas gefährlicher…). „Professionelle Hunde-Verhaltenstherapeuten“ wollten Leon mit einem Sprühhalsband „kurieren“. Clarissa hörte auf ihr Herz :-)  und lehnte diese Methode ab.

Leon ist mit viel Geduld, Liebe und einem etwas längeren dafür hundegerechten Aufarbeitungsprozess mit der Methode der Beschwichtigungssignale bereits viel ruhiger geworden, zeigt aber immer noch ab und zu seine alten Muster.

Wir haben uns entschieden, zu Beginn einen sozialen Spaziergang auf Distanz zu machen. Leon war mit Clarissa bereits am Laufen, als ich Wakass aus dem Auto holte. Wakass war natürlich ganz hibbelig und wollte nur noch zu Leon. Er fing sofort an zu stelzen, seinen Kopf abzuwenden und hat Leon auf Distanz sehr schön gezeigt, dass er ihm nichts tun wird. Leon wechselte seine Laufrichtung und kam von sich aus auf Wakass zu. Ich war schon etwas nervös (ich musste gut durchatmen), weil beide Hunde immer noch angeleint waren. Aber die beiden haben sich an der Leine nur kurz abgeschnüffelt und sich dann von einander entfernt.

Wir haben auf zwei Seiten Guetzli gestreut und die Hunde dann abgeleint. So hatte jeder Hund seine Schnüffel- und Such-Ecke und konnte sich dazu gleich etwas beruhigen (Nasenarbeit und Futter beruhigt Hunde). Die Hunde gingen wieder aufeinander zu. Ich blieb immer in langsamer Bewegung. Leon fing an zu knurren. Ich drehte mich um und lief langsam in die entgegengesetzte Richtung davon. Hinter meinem Rücken hörte ich Wakass mit knurren antworten. Ich konnte nur kurz schauen, da ich mich langsam vom Ort des Geschehens entfernte, um Wakass nicht falsche Aufmerksamkeit in die Situation zu geben. Dabei rief ich Wakass leise ab. Wakass kam sofort zu mir, zeigte aber Leon nach wie vor Spielbereitschaft an. Wakass war wirklich in superfreundlicher Stimmung. Wie mir Clarissa später berichtete, (sie konnte die beiden beim zweiten Aufeinandertreffen sehr gut beobachten), hat Wakass Leon mit dem Knurren nur kurz angedeutet, dass er sich so nicht behandeln lasse. Wakass habe sich gleichzeitig sofort von Leon abgewendet.

Ja, und plötzlich ging’s rasant. Leon forderte ebenfalls zum Spiel auf und das Eis war gebrochen. Die beiden hatten ein kurzes, aber sehr schönes Spiel. Dann ging wieder jeder Hund seinen Weg. Die Körpersprache war da, sie schauten aufeinander, aber es kam zu keinem gemeinsamen Spiel mehr. Als plötzlich ein Spaziergänger auftauchte hat sich Wakass sehr schön zwischen Leon und den Spaziergänger gestellt – er hat gesplittet. Parallel sind die beiden Hunde dann in weitem Abstand zueinander weitergelaufen. Wakass hat Leon so Sicherheit gegeben können.

Ich muss sagen, ich war mächtig stolz auf meinen kleinen Indianer. Und natürlich konnte auch Clarissa mächtig stolz auf ihren Leon sein. Es war für uns beide ein wirklich toller und lehrreicher Nachmittag.

Danke lieber Leon und Wakass. Wir werden diese Begegnung bestimmt bald wiederholen.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.