Aisha ist unser Pausenclown – unser Goldschatz. Sie ist stets für die lachenden Gesichter unserer Besucher zuständig. Kaum fährt bei uns ein Auto vor das Haus oder es klingelt an der Türe, ist Aisha zur Stelle. Ein richtiger kleiner Hofhund auf Samtpfoten.

Keine offene Türe, sei dies ein Schrank, die Garage der Nachbarn oder gar offene Autoscheiben entgehen ihr. Sofort erobert sie sich diesen Raum und macht es sich gemütlich.

Aber zu den Favoriten gehören eindeutig die Taschen. Papiertüten, Handtaschen oder Einkaufstaschen sind ihre Lieblingsverstecke und man muss immer gut hinschauen, ob sich nicht Aisha darin versteckt hält.

Mit leichtem Hüftschwung, wie es sich für eine echte Dame gehört, schlendert sie durch die Häuser, um ja nichts zu verpassen. Selten sieht man sie auf den Feldern oder beim Wald, mit Ausnahme, wenn ich mich mit Wakass auf den Spaziergang begebe. Man will ja nichts verpassen, oder?

Sie ist wirklich eine kleine raffinierte Dame und hat viele Tricks auf Lager. Aber eines ist sie nicht. Sie ist keine Jägerin. Ihr Spezialgebiet ist es eher, den anderen die Beute abzuluchsen.

Im Winter 2005 ging die Geschichte mit der Vogelgrippe los. Ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern. Es war ein sehr regnerischer Winter und auf den Feldern haben sich ganz viele kleine Seen gebildet. Ich bewundere die Natur immer und immer wieder. Kaum waren diese kleinen Tümpel da, tummelten sich bereits Wasservögel auf ihnen, Enten und Blässhühner. Und das ausgerechnet in der Zeit der Vogelgrippe. Ich musste innerlich lachen (laut durfte ich ja nicht – die Menschen hätten das nicht verstanden). Die Menschen rundherum mussten ihre Hühner einsperren und Volieren abdecken, während die Enten und Blässhühner es sich auf den Feldern gemütlich machten.

Eines Abends ging die Katzenklappe immer auf und zu. Durch das Fenster konnte ich in der Finsternis die schwarz-weisse Zeichnung von Aisha erkennen. „Was tut sie den bloss?“ fragte ich mich. Plötzlich ging die Katzenklappe wieder auf. Ich traute meinen Augen kaum und fragte mich wirklich, ob Aisha jetzt nicht mehr ganz bei Trost sei. Sie kam nämlich Rückwärts durch die Katzenklappe. Mühselig drückte sie ihren Hinterteil durch, endlich war der Kopf in der Stube…, aber da fehlte noch etwas. Sie zog, rupfte und krampfte. Rumps. Endlich war das nasse Ding, welches sie in ihrer Schnauze hielt, in der Wohnung. Oh, nein, Aisha hat eine Amsel gefangen. Laut sagte ich: „Aisha, hast du etwas gefangen? Das hast du aber fein gemacht.“ Ja schliesslich war es ihre erste (und letzte) Beute und da musste ich sie doch ein bisschen loben. Ich wollte gerade aufstehen, um die Amsel zu entsorgen, da kam mir alles doch etwas komisch vor. Eine Amsel hat doch nicht so riesige Füsse. Ich guckte also näher hin. Also Aisha jagt definitiv nach dem Motto „na wenn schon dann schon richtig“ und hat uns gleich ein Blässhuhn nach Hause gebracht.

Dieses Jahr haben wir wieder ganz viele kleine Seen auf den Feldern, weil die Weihnachtstage uns Dauerregen bescherten. Ich habe aber dieses Mal Aisha gebeten, die Blässhühner und Enten doch bitte in Ruhe zu lassen.

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