Monatsarchive: April 2010

(ein eingespieltes Team…)

Sonntagmorgen, sechs Uhr. Ich stehe wie gewohnt auf, um meine Tierfamilie zu füttern. Wakass nimmt seinen Knochen gerne, aber die A-Ladies? Irgendwie interessiert sie das Frühstück heute nicht.

Ich lege mich wieder ins Bett. Am Sonntagmorgen ist Kuschelzeit für alle. Ich liege also ruhig im Bett und höre dabei, wie sich unten in der Wohnung die Schiebetüre unserer Garderobe öffnet. „Maus“ ging es mir dabei durch den Kopf. Ich stand sofort wieder auf. Unten sass Aline beim Zeitungsständer im Wohnzimmer, Aisha war auf einem Schuhregal in der Garderobe und schaute interessiert nach unten. Sie hatte es also tatsächlich geschafft, diese Türe aufzuschieben. Wo aber war die Maus? Langsam hob ich den Schlauch des Staubsaugers hoch und sah nur noch, wie die Maus in einer Spalte zwischen den Schuhregalen und der Schiebetüre verschwand. Ich beginne ihr zu erklären, dass ich ihr aus ihrer misslichen Lage helfen möchte. Im Keller hole ich mir ein schmales Stück Holz. Wieder in der Garderobe versuche ich die Maus nach vorne auf meine legendäre blaue Schaufel zu schieben. Die Maus ist aber sehr flink, hüpft immer wieder davon und versucht die Wand hoch zu kraxeln. Mittlerweile sind Aline und Wakass auch in der Garderobe. Wakass fängt lauthals an, zu bellen. Ihm passt es überhaupt nicht, dass die beiden Katzen auf die Maus lauern. Also führe ich Wakass ins Wohnzimmer und schliesse die Kindergittertür.

Die Übung mit dem Holzstück beginnt wieder von vorne. Plötzlich huscht die Maus auf mich zu, Aline blitzschnell, packt die Maus. Ich entschuldige mich bereits bei dem Mäuschen, dass es wohl nicht einen lebenden Ausgang geben wird. Ich springe auf, will die Wohnungstüre öffnen, damit Aline mit der Maus nach draussen gehen kann. Nein, Madame will nicht, sie stolziert mit ihrer Beute vor Wakass durch (sie kann ja locker durch die Gitterstäbe des Kindergitters durch). Wakass ist sofort aus dem Häuschen und fängt an, wild hinter Aline herzujagen, so gut das eben auf einem rutschigen Plattenboden geht. Quer durchs Wohnzimmer über das Sofa, hinter das Sofa. Reaktionsschnell öffne ich Aline die Terrassentüre und kann sie noch gerade vor Wakass’s Nase wieder schliessen. Uffff geschafft. Wakass schaut mich an und sein Blick spricht Bände. Er ist wütend auf Aline. Im passt das gar nicht, dass Aline nun die Maus hat. Er dreht sich um, geht in die Garderobe und fängt an lauthals Aisha die Meinung zu sagen, was er über ihre Mäusejagd hält.

Mittlerweile bin ich etwas entnervt und trenne Wakass wieder mit dem Kindergitter ab. Ich habe mir meinen Kuschel-Sonntag-Morgen etwas anders vorgestellt! Mittlerweile ist es ja auch schon fast 7.30 Uhr. Wieso lasse ich mich entnerven? Ich lege mich noch einmal für eine Viertelstunde hin und lasse mir die Mausszenen als Betrachter noch einmal als Film vorspielen. Dabei musste ich herzhaft lachen, vor allem wenn ich mich selber vor meinem geistigen Auge sah. Lachen ist gesund und hat offenbar Wakass und Aisha angesteckt. Als ich nach unten komme, stecken die beiden die Köpfe jedenfalls schon wieder zusammen.

…pro Quadratkilometer

Eine ungewöhnliche Jagd auf den Feldhasen findet alle fünf Jahre in der Schweiz statt. In der Nacht sind sie unterwegs die Zähler des Feldhasen. Wildhüter und Jäger machen Jagd mit Scheinwerfern auf Meister Lampe.

Seit Beginn der Feldhasenzählungen nimmt der Bestand kontinuierlich ab. Das liegt vor allem an den Veränderungen in der Landwirtschaft. Wo früher noch viele kleine Felder neben einander lagen, sind heute nur noch Grossflächen anzutreffen, die manchmal lange brachliegen. Ein grosses Problem für den Feldhasen sind auch die fehlenden Grünflächen mit hohem Gras. Oft werden fünfmal pro Jahr die Grasflächen geschnitten. Die Zeit dazwischen reicht den Hasen nicht, um ihre Jungen aufzuziehen.

Die Weibchen bekommen im Jahr 3 bis 4 Mal Junge. Die Tragzeit beträgt etwa 42 Tage. Die Würfe umfassen ein bis fünf, ausnahmsweise sechs Junge. Die frisch geborenen Junghasen sind Nestflüchter, werden behaart und sehend geboren. Die Jungtiere werden gerne in hohem Gras versteckt.

Das bisher bekannte Maximalalter im Freiland lebender Feldhasen beträgt 12,5 Jahre, jedoch wird über die Hälfte der Hasen kein Jahr alt.

Nur noch 5 Feldhasen anstelle von 25 pro Quadratkilometer wurden gezählt. Wenn der Mensch nicht bald umdenkt, werden wir Meister Lampe nur noch als Märchen oder als Osterhase kennen.

Diese Woche hatten Wakass und Ambra Tierarztbesuch. Ich habe mich entschlossen von beiden eine Blutnosode herstellen zulassen, um der Zeckenplage entgegen zu wirken.

Als ich bei Heidi Garo, meiner Tierheilpraktikerin, die Bluttropfen vorbeibrachte, damit sie mir die Nosode herstellen konnte, stand plötzlich ein Lämmchen vor mir, ein Schwarznasenlamm. Heidi Garo hat es adoptiert.

Dieses Lämmchen hätte der Besitzer der Schafherde jämmerlich zugrunde gehen lassen, einfach verhungern. Heidi Garo zieht es nun mit der Flasche auf. Es wird bis an sein Lebensende mit den beiden anderen, ebenfalls mit der Flasche aufgezogenen Schafen bei ihr bleiben dürfen.

Das Lämmchen kam sofort auf mich zugelaufen, beschnupperte meine Hosen, meine Schuhbändel und liess sich von mir streicheln. Es zeigte überhaupt keine Scheu. Dann kamen die beiden Hunde. Dieses Bild war einfach unbeschreiblich. Wie sanft die beiden Rüden zu diesem Lämmchen waren. Sie nahmen es in ihre Mitte und liessen das kleine Wesen an sich schnuppern und kuscheln. Ein märchenhaft schönes Bild. Wie im Paradies.

Ich bin glücklich darüber, dass es Menschen wie Heidi Garo gibt. Von ihr könnten so viele Menschen lernen. Es ist schön zu sehen, wie ihre Tiere harmonisch mit einander umgehen. Wirklich ein kleines Paradies, der Garohof.

www.garohof.ch

 

Wenn wir in dieser Jahreszeit durch den Wald spazieren, können wir es überall hören: Tack, Tack Tack. Der Specht ist am Werk ob bunt, grün, schwarz oder grau, es trommelt aus allen Richtungen.

Kürzlich war ich bei einer Bekannten zu besuch. Sie erzählte mir, dass sie einen Specht beobachtet habe, welcher auf eine Metallhaube eines Elektromastes getrommelt habe. „Das ist wohl ein bisschen ein dummer Specht“ meinte sie lachend. Die Geschichte habe ich dann für einige Tage wieder vergessen, bis ich wieder mit Wakass durch einen Wald spazierte und mir das Klopfen des Spechtes rundherum auffiel. Ich suchte, bis ich einen zu sehen bekam. Ich erzählte ihm die Geschichte vom „dummen“ Specht und fragte ihn, ob er mir erklären könne, warum der andere Specht auf Metall geklopft habe. „Balzen“ war die kurze Antwort. Ich war völlig erstaunt. So einfach, aber ist das nun so? Klar, mittlerweile bin ich mir der Antworten der Tiere sicher. Zu Hause habe ich trotzdem etwas Spechtforschung betrieben.

„Spechte leben meist einzeln in Wäldern, Baumpflanzungen und Gärten. Sie vereinigen sich nur ausnahmsweise, außerhalb der Brutzeit, zu größeren Gruppen. Die Spechte bewegen sich fast nur kletternd, hüpfen ungeschickt auf dem Boden und fliegen ungern weite Strecken.

Eine Besonderheit der Spechte ist, dass sie mit erheblichem Kraftaufwand und erheblicher Ausdauer mit ihrem Schnabel gegen Baumstämme klopfen und dabei das Holz zerspanen, um Futter zu finden, Nisthöhlen zu „zimmern“, ihr Revier zu markieren oder Geschlechtspartner anzuziehen. Diese Tätigkeiten nennt man auch Meisseln (Zerspanen) und Trommeln (Balzverhalten). Es gibt Arten die bis zu 12.000 Mal pro Tag ihren Schnabel gegen Holz schlagen. Das Gehirn nimmt durch diese Schläge keinen Schaden. Ein Specht kann bis zu 20 Schläge pro Sekunde ausführen. Jeder Schlag ist vergleichbar mit einem Aufprall von 25 km/h gegen eine Wand.“

Die Natur hält uns doch einfach immer wieder schöne Geschichten bereit. Und, es gibt keine dummen Spechte 😆 . Im Gegenteil, dieser Specht war besonders schlau, weil sein Trommeln bestimmt viel weiter zu hören war.