Tiergeschichten

Wir vier Schwestern haben beschlossen, uns vorzustellen. Da gibt es ja eine Menge zu erzählen und jede von uns ist einzigartig in ihrem Wesen.

Ich bin Aisha, eine der A-Ladies. Im Tierheim nannten sie mich Annette. Das hat mir aber gar nicht gefallen und ich habe das bei uns zu Hause auch deutlich zum Ausdruck gebracht. Meine Menschenmami hat mich dann den Namen selber auswählen lassen. Seit ich nun Aisha heisse, konnte ich viel ruhiger und lieber werden. Ich geb’s zu. Ich war vorher eine echte Zicke gegen meine Schwestern. Aber jetzt nennt Mami mich immer „meine Süsse“. Ich mag das sehr. Dann recke ich immer mein Köpfchen in die Höhe und miaue ganz laut. Sofort werde ich in die Höhe gehoben und darf auf Mamis Schultern liegen. Echt toll, ich sags euch. Es geht doch nichts über die Welt von oben.

Ich bin halt ganz klein geblieben und wirke deshalb immer noch ein bisschen babyhaft. Mami sagt zwar immer, ich sei mit einem betörenden Hüftschwung unterwegs. Keine Ahnung, was sie damit meint.

Am liebsten bin ich immer um das Haus herum. So weiss ich ganz genau, was bei mir zu Hause los ist. Weil ich eben so klein bin muss ich immer einen gaaaanz langen Hals machen, damit ich auch alles mitkriege, wie eine kleine Haustratsche. Na ja, man soll ja nichts verpassen oder?

Spielen tue ich gerne mit Fliegen. Mäuse fangen sagt mir nicht so zu, ist mir viel zu anstrengend. Die Mäuse einer meiner Schwestern stehlen, das sagt mir da schon eher zu. Was ich aber ganz lustig finde sind die Fische in Nachbars Biotop. Hihihi, die kommen immer so schön an den Rand. Ist wirklich kinderleicht, so einen Fisch zu fangen.

Wenn Besuch kommt muss ich mich natürlich immer an vorderste Front stellen, d.h. wenn sich mein grosser Bruder dann endlich eingerenkt hat. Mann, der hat vielleicht einen Drive drauf…. Aber dann bin ich an der Reihe. Die Taschen der Menschen sind immer am lustigsten. Da kann ich mich so gut darin verstecken.

Wenn mir das Spiel zu langweilig wird, gehe ich wieder nach draussen. Vielleicht haben ja die Besucher noch ein Fenster beim Auto offen gelassen, da schleiche ich mich gerne hinein. Ob gepolstert oder in der Handablage, beide Orte sind für mich bequem.

Jetzt, im Sommer, bin ich praktisch nur noch draussen. Ich lege mich gerne unter die Sträucher und höre dem zirpen der Grillen zu. Nein, nein, die fange ich jetzt nicht. Es ist wieder Zeit, ein Nickerchen zu nehmen. Schlaft schön.

Eure Aisha

(ein eingespieltes Team…)

Sonntagmorgen, sechs Uhr. Ich stehe wie gewohnt auf, um meine Tierfamilie zu füttern. Wakass nimmt seinen Knochen gerne, aber die A-Ladies? Irgendwie interessiert sie das Frühstück heute nicht.

Ich lege mich wieder ins Bett. Am Sonntagmorgen ist Kuschelzeit für alle. Ich liege also ruhig im Bett und höre dabei, wie sich unten in der Wohnung die Schiebetüre unserer Garderobe öffnet. „Maus“ ging es mir dabei durch den Kopf. Ich stand sofort wieder auf. Unten sass Aline beim Zeitungsständer im Wohnzimmer, Aisha war auf einem Schuhregal in der Garderobe und schaute interessiert nach unten. Sie hatte es also tatsächlich geschafft, diese Türe aufzuschieben. Wo aber war die Maus? Langsam hob ich den Schlauch des Staubsaugers hoch und sah nur noch, wie die Maus in einer Spalte zwischen den Schuhregalen und der Schiebetüre verschwand. Ich beginne ihr zu erklären, dass ich ihr aus ihrer misslichen Lage helfen möchte. Im Keller hole ich mir ein schmales Stück Holz. Wieder in der Garderobe versuche ich die Maus nach vorne auf meine legendäre blaue Schaufel zu schieben. Die Maus ist aber sehr flink, hüpft immer wieder davon und versucht die Wand hoch zu kraxeln. Mittlerweile sind Aline und Wakass auch in der Garderobe. Wakass fängt lauthals an, zu bellen. Ihm passt es überhaupt nicht, dass die beiden Katzen auf die Maus lauern. Also führe ich Wakass ins Wohnzimmer und schliesse die Kindergittertür.

Die Übung mit dem Holzstück beginnt wieder von vorne. Plötzlich huscht die Maus auf mich zu, Aline blitzschnell, packt die Maus. Ich entschuldige mich bereits bei dem Mäuschen, dass es wohl nicht einen lebenden Ausgang geben wird. Ich springe auf, will die Wohnungstüre öffnen, damit Aline mit der Maus nach draussen gehen kann. Nein, Madame will nicht, sie stolziert mit ihrer Beute vor Wakass durch (sie kann ja locker durch die Gitterstäbe des Kindergitters durch). Wakass ist sofort aus dem Häuschen und fängt an, wild hinter Aline herzujagen, so gut das eben auf einem rutschigen Plattenboden geht. Quer durchs Wohnzimmer über das Sofa, hinter das Sofa. Reaktionsschnell öffne ich Aline die Terrassentüre und kann sie noch gerade vor Wakass’s Nase wieder schliessen. Uffff geschafft. Wakass schaut mich an und sein Blick spricht Bände. Er ist wütend auf Aline. Im passt das gar nicht, dass Aline nun die Maus hat. Er dreht sich um, geht in die Garderobe und fängt an lauthals Aisha die Meinung zu sagen, was er über ihre Mäusejagd hält.

Mittlerweile bin ich etwas entnervt und trenne Wakass wieder mit dem Kindergitter ab. Ich habe mir meinen Kuschel-Sonntag-Morgen etwas anders vorgestellt! Mittlerweile ist es ja auch schon fast 7.30 Uhr. Wieso lasse ich mich entnerven? Ich lege mich noch einmal für eine Viertelstunde hin und lasse mir die Mausszenen als Betrachter noch einmal als Film vorspielen. Dabei musste ich herzhaft lachen, vor allem wenn ich mich selber vor meinem geistigen Auge sah. Lachen ist gesund und hat offenbar Wakass und Aisha angesteckt. Als ich nach unten komme, stecken die beiden die Köpfe jedenfalls schon wieder zusammen.

Ich war gerade damit beschäftigt, Wakass-Spuren auf dem Boden zu entfernen, da fiel mein Blick auf die Wiese, welche vor unserem Haus liegt. Ich entdeckte Aline und bei ihr zwei Krähen. „Was machen die den da?“ fragte ich mich. „Fangen die an zu spielen?“ Aline sprang umher und die Krähen hüpften ihr hinterher. Dann kehrte sich das ganze Spiel und Aline ging wieder auf die Krähen zu.

Ich musste wirklich lächeln über dieses Bild. Es hat mir sehr gut gefallen, wie die Drei sich offenbar zu amüsieren schienen. Und doch kam mir die Situation komisch vor, weil Krähen und Katzen amüsieren sich für gewöhnlich nicht zusammen, jedenfalls nicht frei lebende Krähen.

Aline kam immer näher auf das Haus zu und plötzlich konnte ich die Ursache dieses Treffens erkennen. Aline hatte eine Maus und die Krähen versuchten, ihr diese abzujagen.

Es war köstlich, den Dreien zuzuschauen. Aline warf die Maus in die Luft und es ergab sich ein Katz, Maus und Krähenspiel „wer ist schneller bei der Maus?“. Aline schaffte es immer wieder, die nun wirklich schlauen Krähen auszutricksen, fast 10 Minuten lang. Dann durften die Krähen die Maus haben.

Wenn Aline die Maus wirklich gewollt hätte, hätte sie sich nicht auf dieses Spiel mit den Krähen eingelassen. So schöne Bilder betrachten zu dürfen sind einfach ein Geschenk, ein Geschenk meiner Tierfamilie und der Tiere in freier Wildbahn. So etwas bekommt man wirklich nicht jeden Tag zu sehen. Aber unsere Katzen scheinen ein heimliches Stelldichein mit diesem Krähenpärchen zu geniessen. Ich habe auch schon Anja und Ambra mit dem Schwanz zur Begrüssung hoch erhoben auf die Krähen zulaufen sehen.

Ich weiss, die Qualität der Fotos lässt etwas zu wünschen übrig, aber so habt ihr doch wenigstens, wenn auch nur in Miniaturform, auch etwas von den Dreien.

Aisha ist unser Pausenclown – unser Goldschatz. Sie ist stets für die lachenden Gesichter unserer Besucher zuständig. Kaum fährt bei uns ein Auto vor das Haus oder es klingelt an der Türe, ist Aisha zur Stelle. Ein richtiger kleiner Hofhund auf Samtpfoten.

Keine offene Türe, sei dies ein Schrank, die Garage der Nachbarn oder gar offene Autoscheiben entgehen ihr. Sofort erobert sie sich diesen Raum und macht es sich gemütlich.

Aber zu den Favoriten gehören eindeutig die Taschen. Papiertüten, Handtaschen oder Einkaufstaschen sind ihre Lieblingsverstecke und man muss immer gut hinschauen, ob sich nicht Aisha darin versteckt hält.

Mit leichtem Hüftschwung, wie es sich für eine echte Dame gehört, schlendert sie durch die Häuser, um ja nichts zu verpassen. Selten sieht man sie auf den Feldern oder beim Wald, mit Ausnahme, wenn ich mich mit Wakass auf den Spaziergang begebe. Man will ja nichts verpassen, oder?

Sie ist wirklich eine kleine raffinierte Dame und hat viele Tricks auf Lager. Aber eines ist sie nicht. Sie ist keine Jägerin. Ihr Spezialgebiet ist es eher, den anderen die Beute abzuluchsen.

Im Winter 2005 ging die Geschichte mit der Vogelgrippe los. Ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern. Es war ein sehr regnerischer Winter und auf den Feldern haben sich ganz viele kleine Seen gebildet. Ich bewundere die Natur immer und immer wieder. Kaum waren diese kleinen Tümpel da, tummelten sich bereits Wasservögel auf ihnen, Enten und Blässhühner. Und das ausgerechnet in der Zeit der Vogelgrippe. Ich musste innerlich lachen (laut durfte ich ja nicht – die Menschen hätten das nicht verstanden). Die Menschen rundherum mussten ihre Hühner einsperren und Volieren abdecken, während die Enten und Blässhühner es sich auf den Feldern gemütlich machten.

Eines Abends ging die Katzenklappe immer auf und zu. Durch das Fenster konnte ich in der Finsternis die schwarz-weisse Zeichnung von Aisha erkennen. „Was tut sie den bloss?“ fragte ich mich. Plötzlich ging die Katzenklappe wieder auf. Ich traute meinen Augen kaum und fragte mich wirklich, ob Aisha jetzt nicht mehr ganz bei Trost sei. Sie kam nämlich Rückwärts durch die Katzenklappe. Mühselig drückte sie ihren Hinterteil durch, endlich war der Kopf in der Stube…, aber da fehlte noch etwas. Sie zog, rupfte und krampfte. Rumps. Endlich war das nasse Ding, welches sie in ihrer Schnauze hielt, in der Wohnung. Oh, nein, Aisha hat eine Amsel gefangen. Laut sagte ich: „Aisha, hast du etwas gefangen? Das hast du aber fein gemacht.“ Ja schliesslich war es ihre erste (und letzte) Beute und da musste ich sie doch ein bisschen loben. Ich wollte gerade aufstehen, um die Amsel zu entsorgen, da kam mir alles doch etwas komisch vor. Eine Amsel hat doch nicht so riesige Füsse. Ich guckte also näher hin. Also Aisha jagt definitiv nach dem Motto „na wenn schon dann schon richtig“ und hat uns gleich ein Blässhuhn nach Hause gebracht.

Dieses Jahr haben wir wieder ganz viele kleine Seen auf den Feldern, weil die Weihnachtstage uns Dauerregen bescherten. Ich habe aber dieses Mal Aisha gebeten, die Blässhühner und Enten doch bitte in Ruhe zu lassen.

Eine Weihnachtsgeschichte

Charlie hatte es sich in der Stube gemütlich gemacht. Draussen schneite es in dicken Flocken. Dieses Wetter behagte ihm überhaupt nicht. Die Haustüre öffnete sich und ein kühler Windzug strich durch das Haus.

„Was macht den meine Mami da für komische Geräusche?“ dachte er und lugte aus seiner Kuschelecke hervor. „Oh, ist das aber toll, jetzt bringt sie mir doch tatsächlich einen Baum nach Hause“. Übermütig sprang er aus seiner Kuschelecke und strich der Frau schnurrend um die Beine. „Nein Charlie, lass das bitte, ich kann dich jetzt nicht knuddeln“, kam die Antwort auf seine erwartungsvolle Begrüssung.

Die Frau stellte den Weihnachtsbaum in die Stube und holte einen grossen Karton aus dem Keller. Als sie den Deckel hob, weiteten sich die Augen von Charlie. „Wow, ist das toll. So viele Glitzersachen zum Spielen. Ich hab doch einfach die tollste Mami der Welt.“ Und sprang mit einem Satz in die Kiste. Die Silbergirlanden haben es ihm sofort angetan. Er fing ein wildes Spiel an, bis er von den Girlanden regelrecht eingewickelt war.

„Nein Charlie, so geht das nicht! Das sind schöne Dekorationen für den Weihnachtsbaum, damit darfst du nicht spielen!“ Kurzerhand hob die Frau Charlie auf die Arme und stellte ihn vor das Wohnzimmer. Rums. Türe zu. „Was für eine Spielverderberin, immer wenn’s grad lustig wird“ maulte er und zottete davon.

In der Zwischenzeit dekorierte die Frau den Baum. Leise summte sie Weihnachtslieder vor sich hin. Charlie hörte das und setzte sich wieder hinter die verschlossene Türe. Die Zeit verstrich, also legte er sich hin, so nach dem Motto: „ich kann schon warten“. Endlich öffnete sich die Türe. Was Charlie erblickte, liess sein Herz höher schlagen. „Ohhhhh, ein Spielebaum, ach wie toll“ und in einem Satz war er da und kletterte den Baum hoch. Die Weihnachtskugeln schwangen wild hin und her. Das animierte ihn natürlich noch mehr, nach diesen schönen Bällen zu pföteln.

Plötzlich gab’s einen Riesenkrach und die ganze Bescherung lag am Boden. Wie ein roter Pfeil verschwand Charlie aus dem Zimmer und versteckte sich unter einem Möbelstück. „Ups, das war aber knapp….“

Traurig schaute die Frau auf den am Boden liegenden Weihnachtsbaum. „Das wird wohl nichts mehr mit Tannenbaum“, dachte sie. Und plötzlich musste sie herzhaft lachen, als sie sich die Bilder noch einmal in Erinnerung rief. „Eigentlich macht das ja überhaupt nichts“ dachte sie dann „die Tannenbäume gehören ja in den Wald.

Also überlegt euch gut, wie Ihr euer Haus weihnachtlich schmückt, wenn Katzen im Hause sind 🙂 🙂 🙂