Tiergeschichten

Also ich bin ja wirklich ein Glückskind auf dieser Welt, habe ich doch das Privileg 5 Wochen Sommerurlaub geniessen zu dürfen. Umso härter fiel es mir, nach diesen schönen Wochen zusammen mit meiner Tierfamilie, mich wieder von ihr zu trennen. Ich weiss, es ist alleine mein Problem. Meine Tierfamilie ist ja stets in meinem Herzen bei mir, also ist sie immer dort wo ich bin.

Nach eben diesem ersten Arbeitstag, ging ich am Abend sofort mit Wakass spazieren. Kaum an unserer beliebtesten Spazierstelle angekommen, sprang er aus dem Wagen und weg war er. Innerhalb kurzer Zeit war er 50 m von mir entfernt. Alles rufen nützte nichts, man(n) blieb stur auf der Stelle verharren und hatte die Ohren zugestopft.

Eilig folgte ich Wakass. Eigentlich hätte ich ihn in diesem Moment an die Leine nehmen müssen, weil solche Eigenleben man den Hunden nicht durchgehen lassen sollte. Mein schlechtes Gewissen, dass Wakass den ganzen Tag auf seinen Spaziergang hat verzichten müssen, hing aber wie eine dunkle Wolke über mir und ich ignorierte das, was ich eigentlich tun sollte. Und es ging weiter. So lieb Wakass sonst immer auf den Spaziergängen ist, an diesem Tag war alles anders. Wakass büchste mir ständig aus und zwar richtig in den dichten Wald hinein.

Bei einer schönen Hundebegegnung mit einer tollen Hundedame hat Wakass sein ungestümes Temperament ein bisschen vergessen (oder etwas geändert ;-)). Als wir dann wieder unseres Weges gingen, lief Wakass schön brav an meiner Seite. Was dann folgte war rein instinktives Handeln von mir. Es war als führte jemand meine Hand. Ich leinte nämlich Wakass an. Grund gab es keinen, er lief ja schön an meiner Seite. Kaum war Wakass an der Leine, stand er da, keine 10 m vor uns. Aus dem Nichts ist er plötzlich aufgetaucht, blieb auf dem Weg stehen und schaute uns mehrere Sekunden direkt an, der Fuchs.

Ich hatte noch nie in meinem Leben einen Fuchs in freie Natur so nah bei mir. Ich war völlig fasziniert von diesem Wesen und Wakass wohl auch, weil wir standen beide wie versteinert da. So wie der Fuchs gekommen war, so verschwand er auch wieder. „Puuuaaa“, dachte ich, „das war jetzt aber knapp. Und Wakass war so ein Engel, keine Bewegung hat er gemacht“. Wir liefen los bis zu der Stelle, wo der Fuchs wieder in der Dichte des Waldes verschwunden war. Und zum ersten Mal konnte ich richtig die Kraft von Wakass spüren. Bin ich froh, trägt er ein Brustgeschirr, weil bei seinem Start auf den Spuren des Fuchses, hat er mir fast den Arm ausgekugelt.

Ja, jetzt war mir alles klar, Wakass hatte keine verstopften Ohren und war auch nicht aus dem Häuschen, weil er erst am Abend auf den Spaziergang durfte. Da hat im wahrsten Sinne des Wortes Herr Reineke Wakass an der Nase herumgeführt.

Der Jagdinstinkt ist wohl bei allen Katzen in irgendeiner Form enthalten. Nicht alle gehen aber gleich mit ihrer Beute um. So habe ich zwei echte Raubkatzen, die ihre Beute anschliessend auch genussvoll essen. Meine kleinste Katze begnügt sich damit, ihren Geschwistern die Beute abzuluchsen, um diese uns dann ganz stolz präsentieren zu können. Die vierte im Bunde ist eine passionierte Jägerin. Aline. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, uns mit ihrer Beute zu versorgen, schliesslich sollen wir ja auch etwas zu essen haben.

In Kommunikationen habe ich Aline schon erklärt, dass wir ihre Beute nicht so mögen und wir uns lieber von anderen Sachen ernähren. Die Botschaft ist angekommen, aber die Jagd hat dadurch nicht aufgehört. Aline bringt uns jetzt die Tiere alle lebendig nach Hause, so nach dem Motto, „ich hätte da was gefangen, wenn ihr wollt könnt ihrs haben, sonst lasst ihr es eben wieder frei“.

Mittlerweile bin ich ein echter Profi im Mäuseeinfangen. Zuerst wird der Maus erklärt, was ich tun werde. Anschliessend hole ich mein marineblaues Schäufelchen mit dazugehörendem Besen, um die Maus damit einzufangen und wieder in die Freiheit zu lassen. Routine eben. Bis auf letzthin, da war alles anders.

Als ich mit meinen Einkäufen nach Hause kam, begrüsste mich unser Hund Wakass nur ganz kurz und verschwand wieder im Wohnzimmer. „Komisch“ dachte ich. „Was ist hier denn los, keine Begrüssung mehr?“ Wakass hat nämlich sonst ein überaus stürmisches Begrüssungsritual. Also begab ich mich ins Wohnzimmer, um zu schauen, was heute anders ist. Das Bild, welches sich mir bot, war zum Weinen schön. Wakass kauerte über einer Maus. Er beschnuffelt sie ganz sanft, zwischendurch leckte er sie sogar und beschützte sie vor den räuberischen Augen Aline’s. Aline passte es ganz und gar nicht, dass Wakass die Maus in seine Obhut genommen hat, es war ja schliesslich eine Für-Menschen-Maus. Sie versuchte immer wieder, an die Maus zu gelangen, aber Wakass beschützte sie. Ich war so gerührt von dieser Szene, Wakass hat genau verstanden, um was es uns geht.

Die Maus konnte ich wohlbehalten wieder dem freien Feld übergeben.

Dieses Erlebnis ist jetzt einige Wochen alt. Seither hat uns Aline keine Geschenke mehr beschert. Sie mag wohl ihre Beute nicht so gerne mit Wakass teilen.

 

Haben Sie gewusst, dass Katzen mit weissen Ohren einen Sonnenbrand kriegen? Ich auch nicht, bis Aline bei uns einzog. Im ersten Frühjahr traute ich meinen Augen kaum. Die Ohren waren dermassen verbrannt, dass sich sogar die Haut ablöste und sich eine Kruste bildete.

Mein Tierarzt empfahl mir damals, die Ohren der Katze mit Sonnencreme Schutzfaktor „so hoch wie möglich“ einzucremen.

Aline mag aber die „Schmiererei“, wie sie es nennt, überhaupt nicht. Ich muss mir immer wieder eine neue Taktik einfallen lassen, damit sie nicht merkt, dass ich mit Sonnencreme in der Hand etwas an ihren Ohren machen will.

Als letztes Jahr Wakass bei uns eingezogen ist, hat Aline die Lösung für sich gefunden. Hund und Katz sind nämlich überhaupt nicht wie Hund und Katz. Nein. Wenn es sein muss, können sie sich schön zusammentun und sich regelrecht gegen uns Menschen verschwören. Vor allem wenn es um Ohreneincremen geht. Sobald die lästige Schmiererei auf Aline’s Ohren ist, läuft sie schnurstracks zu Wakass. Die Katzenwäsche sieht dann so aus.

So, jetzt sind die Ohren wieder sauber!