Biene (3)

 

Als wir vor einigen Jahren unser Haus bauten, ahnten wir nicht, dass dieses genau in eine Bienenstrasse hinein gebaut wird. Ja, das gibt es. Wir haben einen Imker, welcher schräg vis-à-vis von uns wohnt und sein Bienenhäuschen schön versteckt hinter Sträuchern hält. Der Abflugweg, also quasi die Startbahn der Bienen, führte mitten durch unseren Garten hindurch.

Die ersten zwei Sommer in unserem neuen Heim waren wirklich ein Alptraum. Man sieht ja manchmal in den Wald Disney-Zeichentrickfilmen wie Bienen mit dem Hinterteil vorab ihrem „Feind“ hinterher jagen. Und genau so war es bei uns. Wir wurden von diesen kleinen Tierchen regelrecht attackiert, bis hinein in die Wohnung verfolgt, mit nur einem Ziel, uns in den Kopf zu stechen. Nur so am Rande. Wissen Sie, wie viele Drüsen Sie am Kopf haben? Nein? Dann lassen Sie sich einfach mal von einer Biene in den Kopf stechen.

Wir ärgerten uns natürlich sehr über diese Tierchen und fühlten uns in unserer Lebensqualität sichtlich eingeschränkt. Wir konnten kaum in den Garten oder wenn, dann nur zu ganz früher oder später Stunde. Endlose Diskussionen führten wir, wie wir dieses Problem angehen könnten. Die Bienen sind sozusagen das Lebenshobby unseres Nachbarn und das wollten wir ihm ja nicht wegnehmen. Und zudem sind Bienen einfach sehr, sehr nützliche Tiere.

Im Frühjahr des dritten Sommers fing ich wieder über das Bienenproblem an zu brüten. Ich stand gleichzeitig am Anfang meiner Ausbildung zur Tierkommunikatorin und hatte bis dahin aber erst ein paar Gespräche mit Hunden und Katzen geführt. Mir kam dann die Idee, es einmal mit den Bienen zu versuchen so nach dem Motto: wenn es bei Hunden und Katzen funktioniert, warum eigentlich bei Bienen nicht auch? Gedacht getan.

Also setzte ich mich in einer ruhigen Minute hin. Zuerst entschuldigte ich mich bei den Bienen, dass wir ihnen in ihre Flugstrasse gebaut haben, erklärte ihnen aber, dass wir das unwissend über ihr Dasein getan hätten. Ich fragte dann die Bienen, was ich tun könne, damit wir in Frieden nebeneinander leben können. Die Bienen antworteten mir, ich solle ihnen genau zeigen, wie sie fliegen können. Zudem wären sie glücklich, wenn ich für sie blühende Pflanzen setzen würde. Beides habe ich getan. Ich habe den Bienen anhand unseres roten Haselstrauchs gezeigt (als Bild), wo die Grenze unseres Areals liegt und wie hoch sie fliegen sollen, damit sie über unsere Köpfe hinweg fliegen. Zudem habe ich ein schönes Staudenbord gepflanzt, welches sie nun auch ganz fleissig besuchen können.

Seit dem Tag der Kommunikation haben wir nie mehr eine Bienenattacke erlebt.

Mir zeigt dieses kleine Beispiel, dass nichts unmöglich ist. Mit gegenseitigem Respekt können alle Lebewesen nebeneinander leben. Viele Bienen haben ihre Flugbahn tatsächlich verändert oder fliegen mindestens in der Höhe, die der rote Haselstrauch besitzt, also über unsere Köpfen hinweg.

Ich bin überzeugt, würde ich mich heute noch über die Bienen ärgern, und über ein Problem brüten, das gar keins ist, würden sie mich immer noch attackieren.